Legenden über Luther - Legenden und Sagen

Legenden und Sagen
Link zur Startseite
Link zu Legenden
Link zu Sagen
Link zum Impressum
Direkt zum Seiteninhalt
Der Blitz

"Hilf du, Heilige Anna, ich will ein Mönch werden!"

Ein Ereignis, das Luthers Leben tiefgreifend veränderte, fand am 2. Juli 1505 bei Stotternheim statt. Es sollte aus dem lebensfrohen Jurastudenten einen demütigen, nach der Gnade Gottes suchenden Mönch machen.  
Der gerade Magister gewordene Luther, der nun ein Jurastudium an der Universität Erfurt begonnen hatte, war auf der Rückreise von einem Besuch bei seinen Eltern, als er in einen schweren Sturm geriet.  
Nur noch ein paar Stunden von Erfurt entfernt, ereilte ihn ein schweres Gewitter. In seiner Nähe schlug ein Blitz ein, und er wurde sogar vom Luftdruck zu Boden geschleudert. In diesem Augenblick rief er die Heilige Anna an und gelobte: "Ich will ein Mönch werden."  
Luther äußerte sich später noch mehrmals über dieses Ereignis.
Auch gilt es als sicher, daß er schon vor dem Erlebnis im Sturm mit dem Gedanken, Mönch zu werden, gespielt hat.  
Zum Zorn seines Vaters löst er das Gelübde auch ein: am 17.07. begibt sich Luther in das Schwarze Kloster zu Erfurt und wird Mönch.  

Der Thesenanschlag



Wir schreiben den 31. Oktober, A.D. 1517: Luther nagelt mit lauten Hammerschlägen, die durch ganz Europa hallen, die 95 Thesen an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg. Dies ist auf vielen Darstellungen zu sehen und wurde bis in unser Jahrhundert hinein als Tatsache anerkannt. Es ist ein Bild, das - wie kaum ein anderes - zum Symbol der Reformation geworden ist.  

So schlug es wie ein Blitz ein, als 1961 der katholische Lutherforscher Erwin Iserloh mit der Behauptung an die Öffentlichkeit trat, der Thesenanschlag gehöre in das Reich der Legende.

Jedoch sind die angeführten Fakten durchaus einleuchtend. Zum einen stammt die erste schriftliche Darstellung dieses Ereignisses von Philipp Melanchthon, der jedoch kein Augenzeuge gewesen sein konnte, da er erst 1518 als Professor an die Wittenberger Universität berufen wurde.
Auch erscheint diese Darstellung erst nach dem Tode Luthers; von ihm selbst ist also kein Kommentar zu den 'Nagelarbeiten' des Jahres 1517 überliefert.  

Zwar sollen an die Tür der Schloßkirche regelmäßig Ankündigungen für Disputationen angebracht worden sein, jedoch muß das öffentliche Anbringen der Thesen ohne eine Reaktion der Bischöfe abzuwarten, als klare Provokation der Vorgesetzten gewertet werden. Dies ist jedoch einem Luther, der eigentlich nur Mißstände abändern wollte, nicht zuzutrauen.  
Auch ist zu vermerken, daß in Wittenberg keine öffentliche Disputation der Thesen stattfand und auch (noch) kein Urdruck der Thesen gefunden werden konnte.  

So bleibt nur das Gesicherte: Luther schrieb am 31.10.1517 Briefe an seine Vorgesetzten, in denen er die Praxis des Ablaßhandels anprangerte und die Behebung der Mißstände anmahnte. Den Briefen legte er 95 Thesen bei, die als Grundlage für eine Disputation über das Thema dienen sollten.  
Zwar wird es heute von der Mehrheit der Lutherforscher als erwiesen angesehen, daß Luther an dem besagten Tage nicht mit dem Hammer zu Werke ging, jedoch ist das Bild des Thesenanschlages auch heute noch eines der gebräuchlichsten im Umgang mit Luther, der Reformation und der Lutherstadt Wittenberg.  

Der Wurf mit dem Tintenfass



Seit seiner Kindheit wurde Luther von Teufeln, bösen Geistern und Dämonen belästigt...
Er berichtet auch in späteren Zeiten häufig von derlei Ereignissen, vor allem in der Einsamkeit der Wartburg nahmen die Ängste vor solchen Angriffen stark zu. Luther schrieb ihnen seine Depressionen und Stimmungsschwankungen zu.  
 Die Begründung für die ständige Angst vor dem Satan kann in der spätmittelalterlichen Religiösität im Elternhaus und während der Ausbildung gesehen werden.  

 Luther wehrte sich gegen die ständigen Anfeidungen durch Gebet, "fröhliches Singen" oder auch rigoroser: durch den Wurf mit dem Tintenfaß: Luther soll sich, des Nachts durch den Teufel geweckt, mit einem beherzten Wurf mit dem Tintenfäßchen gegen den Satan verteidigt haben.  

 Luther selbst berichtet, daß er auf der Wartburg vom Teufel belästigt worden sei. Seine Aussage aber, er habe "den Teufel mit Tinte vertrieben", wird heute jedoch eher auf Luthers Bibelübersetzung bezogen, als auf die nächtlichen Kämpfe auf der Wartburg.  
 Der Tintenfleck, der im letzten Jahrhundert noch in der Lutherstube auf der Wartburg zu sehen war, scheidet als Beweismittel jedoch aus - es gibt nicht wenige Berichte, nach denen der Fleck in den letzten Jahrhunderten oftmals nachgebessert, neu angebracht und nachgefärbt worden sein soll...  

Kaiser Karl am Grabe Luthers


 

 Nach der Niederlage der Protestanten im Schmalkadischen Krieg (1546/47) in der Schlacht bei Mühlberg stand das kaiserliche Heer vor den Toren Wittenbergs. So war der Kurfürst gezwungen, die "Wittenberger Kapitulation" zu unterzeichnen, in der er die Stadt übergab und auf die Kurwürde verzichtete.  

 Der Kaiser ritt am 23. Mai 1547 in die Stadt und weilte dort auch in der Schloßkirche am Grabe seines großen Widersachers Luther.  
 Über diese Begebenheit sind im Laufe der Jahrhunderte einige Legenden entstanden, die jedoch nicht historisch belegt werden konnten. So spricht eine davon, daß der Kaiser am geöffneten Grab des Reformators dazu aufgefordert wurde, die Überreste dieses Ketzers noch nachträglich dem Scheiterhaufen zu übergeben.
Der Kaiser soll darauf geantwortet haben: "Er hat seinen Richter gefunden. Ich führe Krieg mit den Lebenden und nicht mit den Toten."  
 Diese Aussage ist jedoch nicht durch Fakten belegt: Es findet sich in den Berichten Johannes Bugenhagens, der ansonsten ausführlich über den Besuch des Kaisers berichtet, kein Wort darüber.  

 Eine andere Legende berichtet, man habe den Leichnam Luthers vorsorglich vor dem Anrücken des kaiserlichen Heeres aus dem Grabe entnommen und ihn an einem nur wenigen bekannten Ort beerdigt.  

 Klarheit brachte eine am 14. Februar 1892 vorgenommene Öffnung des Grabes in der Schloßkirche: Das dort befindliche Grab ist die letzte Ruhestädte des Reformators.  

Luther und die Bäume



 Bäume sind in allen Zeiten und in allen Religionen zu mythologischer Bedeutung, ja geradezu Verklärung gekommen - es sei nur an den 'Baum der Erkenntnis' erinnert. Auch in neuerer Zeit wurden viele Ereignisse, die sich mit Bäumen oder deren Früchten befassen, zu Legenden - so der unter dem Apfelbaum sitzende Newton.  
 So beschäftigen sich auch viele 'Baumlegenden' mit Martin Luther, der sich in seiner freien Zeit gern in Gärten aufhielt und sich an Bäumen und Blumen erfreute.  
 Überall wurden und werden Luthereichen, Lutherbuchen oder Lutherlinden gezeigt, die mit mehr oder weniger verbrieften Legenden verbunden sind.  
 
 Eine der bekanntesten ist die Luthereiche in Wittenberg, über sie werden ebenfalls mehrere Legenden berichtet.  
 Die Stelle, an der sich heute in Wittenberg die Luthereiche befindet, beschreibt den Platz, an dem Luther am 10. Dezember 1520 das Kirchengesetzbuch, die päpstliche Bannandrohungsbulle und Bücher seiner Gegner verbrannte.  
 Die Legende berichtet nun folgendes: Ein Wittenberger Student - ein eifriger Anhänger Luthers - liebte ein Mädchen, dessen Großmutter jedoch der alten Kirche anhing.
Am Tage der Verbrennung soll die Frau nun mit ihrer Enkelin aus Neugier zu besagter Stelle gewandert sein. Dort trafen sie auch auf den Studenten, der von Luthers Taten begeistert berichtete. Die Großmutter geriet darüber in Zorn, rammte ihren Spazierstock in die Erde und versprach dem Studenten, daß er nicht eher ihre Enkelin haben könne bis dieser Stock zu grünen begonnen habe.
Der Student pflanzte nun an genau dieser Stelle eine junge Eiche. Im nächsten Frühjahr berichtete er der Großmutter von dem "Wunder" .
 Die ursprüngliche Wittenberger Luthereiche - wie und von wem auch immer sie gepflanzt wurde - fällte man während der Napoleonischen Kriege, um dem Brennstoffmangel abzuhelfen.
Die heutige Luthereiche wurde 1830 gepflanzt, sie wurde 1904 von einem Unbekannten angesägt.
Heute leidet sie vor allem unter der Luftverschmutzung, aber auch unter den Spätfolgen dieses "Anschlages".  

Luther und das Apfelbäumchen
Es ranken sich noch weitere Legenden um Luther und die Bäume. Eine der bekanntesten sei noch erwähnt: Der berühmte Spruch: "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen!" wird Luther in den Mund gelegt.
Allerdings mag zu denken geben, daß der erste schriftliche Nachweis dieses Spruches erst 1944 zu finden ist...  

Luther in Worms
"Hier stehe ich!" - Luther auf dem Reichstag zu Worms



 Luther zieht mit einem Triumphzug in Worms ein. Jedoch auf dem Reichstag erwartet der Kaiser und Kirche von ihm den Widerruf seiner Thesen.  
 
 Luthers Bücher werden auf einem Tisch plaziert. Er wird nun gefragt, ob es sich um seine Schriften handele und ob er etwas daraus widerrufen wolle. Luther erbittet sich Bedenkzeit, danach lehnt er jedoch mit der bekannt gewordenen Rede einen Widerruf ab:
"Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!"  
 Daß Luther dem die berühmt gewordenen Worte "Hier stehe ich und kann nicht anders! Gott helfe mir, Amen!" hinzugefügt haben soll, ist Legende. Es wurde wahrscheinlich nur hinzugefügt um die Geschichte interessanter zu machen und sie als große 'Pressesensation' darzustellen.  

Die Giftanschläge
Ob in Worms oder zurück in Wittenberg - viele Legenden berichten davon, daß Luthers Feinde ihn mit allen Mitteln aus dem Weg schaffen wollten.
So sind einige Geschichten über Versuche, Luther mit Gift zu ermorden, überliefert. Diese Versuche scheiterten jedoch - bekanntlich - alle, entweder erholte sich der Reformator wieder oder die Gefäße mit den tödlichen Getränken zerfielen kurz vor dem Genuß...  

Quelle Text und Bilder: www.luther.de

© www.legenden-und-sagen.de 2022
Zurück zum Seiteninhalt